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Obst und Gemüse regional und saisonal einkaufen?

Erinnern wir uns: was ist regional und saisonal?

Bis vor etwa einem Jahrhundert verließen sich die meisten Menschen auf ihre lokalen und saisonalen Nahrungsmittelsysteme. Heute werden Lebensmittel- und Landwirtschaftsunternehmen konsolidiert und der größte Teil der Welt ist beim Anbau, der Verarbeitung, dem Vertrieb und dem Einzelhandel von Lebensmitteln auf globale Massenproduktion angewiesen. Mittlerweile haben wir den Überblick darüber verloren, was aus unserer Region kommt und was überhaupt wann wächst.

Obwohl die immer komplexer werdenden Lebensmittelketten globalisiert werden, hat das Interesse der Öffentlichkeit an der Herkunft von Lebensmitteln in den letzten Jahren stark zugenommen. „Lokal und saisonal essen“ ist eine Empfehlung, die wir häufig hören – auch aus prominenten Quellen, einschließlich der Vereinten Nationen, da es gesünder, fair, nachhaltig, umwelt- und klimaschonend sei.

In diesem Beitrag erläutern wir, was regional und saisonal überhaupt ist und werden dabei hinterfragen, ob „regional und saisonal“ gleich „nachhaltig und gesund“ bedeutet.

Regional angebautes und geerntetes Obst und Gemüse

Unter „regional“ oder „lokal“ werden im allgemeinen Produkte verstanden, die relativ nahe an dem Ort angebaut und verarbeitet werden, an dem sie verkauft und konsumiert werden. Ein lokales Nahrungsmittelsystem verkürzt die Distanz zwischen Lebensmittelproduzenten und Konsumenten. Häufig wird der Begriff auch mit kleinen unabhängigen Produzenten und Umweltverantwortung in Verbindung gebracht.

Doch bis heute gibt es keine gesetzliche, verbindliche oder allgemein anerkannte Definition für „regional“. Damit bestimmen alle Händler und Produzenten selbst, ob ihre Lebensmittelprodukte als „lokal“ oder „regional“ bezeichnet werden können. Daraus kann eine vorgetäuschte Regionalität entstehen. Der bundesweite Marktcheck der Verbraucherzentralen hat gezeigt, dass viele als regional beworbenen Lebensmittel teilweise erhebliche Entfernungen zurückgelegt haben.

Was genau bewirken wir, wenn wir Obst und Gemüse regional kaufen?

  • Wirtschaft – lokaler Lebensmittelhandel unterstützt die lokale Wirtschaft. Das Geld, das wir für Produkte lokaler Landwirte ausgeben, bleibt in der Gemeinde. Darüber hinaus schaffen lokal angebaute, verarbeitete und verteilte Lebensmittel Arbeitsplätze und tragen anschließend zur Ankurbelung der lokalen Wirtschaft bei.
  • Klimaschutz – Obst und Gemüse, die nicht regional sind, werden besonders wegen langer Transportwege als klimaschädlich dargestellt. Die Tatsache, dass der durchschnittliche Kopfsalat oder ein paar Karotten über Tausenden km transportiert werden, um an den Tisch eines Verbrauchers zu gelangen, klingt wirklich problematisch.
  • Gesundheit – Obst und Gemüse, die lange Strecken zurücklegen müssen, werden häufig unreif geerntet. Deshalb müssen die Lebensmittel bestrahlt werden, um die Bakterien darauf abzutöten. Zudem werden sie mit Chemikalien besprüht, um zu verhindern, dass das Obst und Gemüse zu schnell reift.

Vor einigen Jahren entstand daraus sogar eine neue Bewegungen: „Locavore“ oder auch „Localvore“. Loca oder Local steht für „aus der Region“ und das Suffix vore kommt aus dem Lateinischen vorare und bedeutet „verzehren“ oder „verschlingen“. Ein Locavore ist somit eine Person, die nur oder hauptsächlich lokal oder in einem bestimmten Radius angebaute und produzierte Lebensmittel isst. Normalerweise werden Lebensmittel in einer Entfernung von weniger als 161 km hergestellt. Die Locavore-Bewegung ermutigt die Verbraucher, auf Bauernmärkten einzukaufen oder sogar ihre eigenen Lebensmittel zu produzieren, da frische, lokale Produkte nahrhafter sind, besser schmecken und umweltfreundlich sind.

Auf den ersten Blick klingt es richtig, die Locavore-Bewegung zu unterstützen, nur lokal einzukaufen, sich gesund zu ernähren und dabei die Welt zu retten. Aber bei der Kaufentscheidung müssen alle Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden, denn der Ort oder Transportweg ist nur einer von vielen Bausteinen der Nachhaltigkeit. Regionale Produkte hätten nur dann erhebliche Auswirkungen auf Klimaschutz, wenn der Transport für einen großen Teil des endgültigen CO2-Fußabdrucks von Lebensmitteln verantwortlich wäre. Bei den meisten Lebensmitteln ist dies aber nicht der Fall. Die Treibhausgasemissionen aus dem Transport machen einen sehr geringen Teil der Emissionen aus Lebensmitteln aus. Somit ist es für den Klimaschutz meistens weitaus wichtiger was man isst, als die Herkunft des Lebensmittels.

Besonders in den entwickelten Ländern kann lokaler Anbau, Produktion, Verarbeitung und Lagerung einen größeren CO2-Fußabdruck haben, als in Entwicklungsländern. Ein berühmtes Beispiel, das dieses Problem anschaulich macht, ist der Vergleich zwischen den Rosenanbau für England in Niederlanden und in Kenia: Die Rosen aus Kenia werden mit dem Flugzeug nach Großbritannien transportiert, aber trotzdem haben sie einen kleineren CO2-Fußabdruck, als die Rosen aus den Niederlanden, welche in aufwändig beheizten Gewächshäusern angebaut werden.

Ein anderes Beispiel: Vergleichen wir der Lebenszyklus eines Apfels aus Deutschland mit dem Lebenszyklus eines Apfels aus Neuseeland. Dazu müssen alle Faktoren betrachtet werden, wie z.B. die Anbaubedingungen, Bewässerung, Zufuhrstoffe wie Düngemittel oder der Pestizideinsatz. Oft werden diese selbst energieaufwändig hergestellt, sind dazu noch aus anderen Ländern importiert und haben toxische Wirkungen. Dazu kommen die  Transportketten, die Lagerung und die Kühlung. Der vermeintlich große Unterschied in der CO2-Bilanz beider Äpfel kann somit mit längerer Lagerung und Kühlung verschwindend gering werden und kehrt sich ab einem bestimmten Punkt sogar um: Es gibt einen sogenannten ‚Tipping Point‘, ab dem der importierte Apfel besser abschneidet als der gelagerte heimische Apfel.

co2 bilanz

Obst und Gemüse saisonal kaufen

Obst und Gemüse saisonal zu essen ist nichts Neues. Es ist das, was unsere Vorfahren getan haben, als sie noch im Einklang mit der Natur lebten und im Wesentlichen das, was die meisten Menschen getan haben, bis die Globalisierung und die Massenproduktion der Lebensmittel alles veränderte.

Die Definition „saisonal“ ist oft vage, denn genau genommen spricht man nur von saisonalen Lebensmitteln, wenn sie während der natürlichen Wachstumsphase im Freien angebaut werden. Saisonale Lebensmittel sind damit die Produkte, die zum Zeitpunkt der Ernte gekauft und konsumiert werden. Als solches schließt dieser Prozess die Gewächshausproduktion und möglicherweise die langfristige Lagerung von Lebensmitteln aus. Aber wie schon bei den regionalen Produkten erwähnt, sind saisonale Lebensmittel nicht per se qualitativ hochwertig, gesund und umweltfreundlich. Man muss immer auf den Gesamtlebenszyklus eines Produktes achten. Besonders gut sind saisonales Obst und Gemüse dann, wenn diese aus der ökologischen Landwirtschaft kommen, denn in dem Fall sind die am wahrscheinlichsten:

  • Frisch – Saisonales Obst und Gemüse, das auf lokalen Bauernhöfen saisonal geerntet wird, ist oft frischer, da für den Transport keine großen Entfernungen erforderlich sind.
  • Voller Geschmack – Im Gegensatz zu Produkten außerhalb der Saison, die früh geerntet werden, um versendet und an unseren lokalen Einzelhandelsgeschäfte verteilt werden, schmecken Obst und Gemüse, die auf ihrem Höhepunkt der Reife gepflückt werden und die gerade Erntesaison haben, sehr geschmacksintensiv.
  • Gesund – Studien haben gezeigt, dass Obst und Gemüse mehr Nährstoffe enthalten, wenn es auf der Mutterpflanze auf natürliche Weise reifen darf. Saisonale Obst und Gemüse aus ökologischen Landwirtschaft sind nährstoffreicher, mit hohem Vitamingehalt und damit gesünder. Wenn Produkte vor ihrer Reife gepflückt werden, entwickeln sich die Nährstoffe im Fruchtfleisch nicht vollständig.
  • Kosteneffizient – Saisonale Produkte sind immer günstiger. Denn für Produkte außerhalb der Saison fallen Gewächshaus-, Reise-, Lagerungs- und andere zusätzliche Kosten an.
  • Haben eine positive Energiebilanz – saisonale Öko-Produkte wachsen im Freiland und brauchen keine energieintensive Lagerung im Kühlhaus

Wer noch nicht an saisonales Essen gewöhnt ist, kann sich mit der Umstellung erst einmal schwer tun, denn saisonal Essen bedeutet automatisch auch Verzicht. Obwohl das Obst oder Gemüse gerade im Supermarkt angeboten wird, sollten wir dies nur kaufen, wenn es gerade Saison hat und mindestens aus unserem Land kommt. Um sich einen Überblick darüber verschaffen, was überhaupt zu welcher Zeit Saison in unseren Breiten hat, dafür gibt es Saisonkalender. Denen kann entnommen werden, welches Obst oder Gemüse man gerade aus Freiland- oder Lagerhaltung kaufen kann. Es gibt mittlerweile auch mehrere Apps dazu und wo sich lokale Bauernmärkte in der Nähe befinden.

Wer dennoch nicht auf Obst und Gemüse verzichten kann oder möchte, welches in unseren Breiten gerade keine Saison hat, sollte darauf achten, wo dieses gerade Saison hat und besonders gut wächst. Denn sobald heimisches Obst und Gemüse länger gelagert werden muss und wir nicht sicher wissen, ob dies beispielsweise mit Ökostrom passiert, ist es für die Umwelt tatsächlich besser, auf die importierte Alternative zurück zu greifen.

Saisonkalender zum herunterladen

Unseren Saisonkalender von baleco kannst du kostenfrei in unserem Shop heruntenladen. Du bekommst durch diesen Kalender ein sehr guten Überblick welches Obst und Gemüse gerade Saison hat. Denn nur ein regionaler Einkauf ist auch nachhaltig.

Hier gehts zum Download!

Fazit

Saisonale Lebensmittel aus lokalem Anbau sind in der Tat eine großartige Möglichkeit, den CO2-Fußabdruck zu verringern und gleichzeitig schmackhaftere und gesündere Lebensmittel zu genießen.

Wer nachhaltig einkaufen und sich gesund ernähren möchte muss dabei den Gesamtlebenszyklus eines Produktes sowie qualitative, ökologische und soziale Kriterien im Blick haben. Leider ist das ist nicht so einfach, da die Qualität und Umweltfreundlichkeit der Produkte durch sehr viele Umweltindikatoren bestimmt wird. Selbst in einem Land, ja in einer Region können diese sehr unterschiedlich sein, da sich beispielsweise schon die Menge an Regen oder die Bodenqualtität stark voneinander unterscheiden kann. Es ist für den Verbraucher unmöglich, dies Werte in Erfahrung zu bringen und zu beurteilen.

Dazu kommt die Problematik der Gewächshäuser und der Langzeitlagerung. In beiden Fällen ist relevant, ob hier mit Öko-Strom gearbeitet wird, oder nicht. Eine Langzeitlagerung oder der Anbau im Gewächhaus mit konventionellen Strom wirkt sich erheblich auf den CO2-Fussabdruck der Lebensmittel aus. Es ist daher ab einem gewissen Punkt im Winter oder Frühjahr sinnvoll zu schauen, wo welches Obst und Gemüse gerade Saison hat. Kann es dort unter günstigen Bedingungen angebaut werden, ist es zu dieser Zeit oft die bessere Wahl.

Wir empfehlen grundsätzlich Massenkonsum zu vermeiden und wenn möglich regional und saisonal einzukaufen, beispielsweise bei kleinen Unternehmer und Landwirten aus der Umgebung oder auf lokalen Bauernmärkten. Zudem ist es sinnvoll darauf zu achten, dass die Früchte und Gemüse auch nachhaltig angebaut und verarbeitet wurden (z.B. Bio-Lebensmittel) und zur Saison wirklich aus der Region kommen. Wer dann noch zum Einkaufen nicht extra mit dem Auto fährt, hat sein möglichstes getan um sich gesund und umweltfreundlich zu ernähren.

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Verwendete Quellen:
www.nabu.de
goodharvestmarket
Fairtrade-Deutschland
foodmiles
green.havard
ecolife
mountnittany.org
independent.co.uk
spiegel.de
heise.de
foodprint.org
umweltbundesamt.de
nachhaltiger-warenkorb.de

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Veröffentlicht von

Franzi, Inhaberin von baleco
Franzi, baleco
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