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Kann Wachs nachhaltig sein?

Wachs ist ein Multitalent. Es wird für alle möglichen Dinge und Zwecke verwendet: Von der Kerzenherstellung über die Aufbewahrung von Früchten, in der Kosmetikindustrie, für das Aufpolieren von Autos, zum Kämmen von Schnurrbarthaaren bis hin zum Polieren von Möbeln. Obwohl wir es vielleicht nicht immer bemerken, ist Wachs in einer Vielzahl von Produkten enthalten.

Als ich kürzlich auf die Option gestoßen bin, veganes Wachs statt Bienenwachs zu verwenden, bin ich zu ersten Mal stutzig geworden. Da ich zudem begonnen habe, viele Bereiche meines täglichen Lebens hinsichtlich der Nachhaltigkeit zu hinterfragen, begann ich mich tiefer in das Thema einzuarbeiten: Was ist veganes Wachs? Was ist das „Problem“ mit Bienenwachs? Ist veganes Wachs „besser“? Umweltfreundlicher? Was ist wirklich nachhaltiges Wachs?

Schnell wurde mir klar: viele Wachse stammen zumindest nicht nur aus fragwürdigen Quellen, sondern einige haben auch den Ruf, weniger gesund und sogar krebserregend zu sein (manche Duftkerzen, gemischt mit giftigen Chemikalien, könnten als gesundheitsschädlich eingestuft werden). Es ist also an der Zeit, sich das Thema einmal genauer anzuschauen.

Was ist Wachs

Wissenschaftlich gesehen ist Wachs eine organisch-chemische Substanz mit interessanten Eigenschaften: es ist weich und bei Raumtemperatur leicht zu formen, der Schmelzpunkt liegt über 45°C, dabei ist es nicht wasserlöslich, sondern hydrophob. Diese Eigenschaften machen es so vielseitig einsetzbar.

Es gibt grundsätzlich drei Arten von Wachs: es stammt entweder von Tieren, aus Pflanzen oder aus Erdöl.

Das Erdölwachs, das heutzutage wahrscheinlich das allgegenwärtigste ist und als Abfallprodukt in der Erdölindustrie gewonnen wird, heißt Paraffin.

Übliche Wachse auf tierischer Basis umfassen z.B. Bienenwachs, Lanolin (Wollwachs), auch Schellack (gewonnen aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus) und Spermaceti (Walrat).

Und was ist nun veganes Wachs? Es gibt eine Reihe von Wachsarten auf pflanzlicher Basis, welche aus rein pflanzlichen Fettsäuren hergestellt werden. Die häufigsten davon sind Soja, Candelilla und Carnauba.

Diese verschiedenen Wachsarten haben einen abweichenden Schmelzpunkt und unterscheiden sich zusätzlich in der Härte und den Farbtönen. Da sie aus unterschiedlichen Quellen stammen, haben sie auch unterschiedliche Auswirkungen auf die Gesundheit, die Umwelt und das Klima und wird unter mal unter mehr und mal unter weniger fairen Arbeitsbedingungen gewonnen.

Was ist nachhaltiges Wachs?

Synthetisches Wachs, auch Erdölwachs

Synthetisches Wachs, auch Erdölwachs – Paraffin ist wie schon erwähnt, ein Nebenprodukt der Erdölproduktion, ein Abfallprodukt bei der Schmierölproduktion. Hauptabnehmer für Paraffin ist weltweit die Kerzenindustrie. Aber es gibt noch unzählige weitere Einsatzgebiete in unserem täglichen Leben.Es wurde mehrmals behauptet, dass Paraffinwachs beim Verbrennen giftige Dämpfe freisetzt. Beispielsweise fand eine Studie der South Carolina State University im Jahr 2009 heraus, dass brennende Paraffinwachs-Kerzen schädliche Dämpfe wie Toluol und Benzol abgeben, die mit Asthma und sogar Lungenkrebs in Verbindung stehen. In derselben Studie wurden im Vergleich bei der die Soja-Kerzen keine giftigen Chemikalien aufgefunden.

Obwohl die gesundheitlichen Auswirkungen von Paraffinwachs noch nicht durch genügend Nachweise belegt wurden, sind seine Auswirkungen auf die Umwelt eindeutiger: Da Paraffinwachs bei der Rohölproduktion entsteht, ist es als nicht umweltfreundlich einzustufen: Zum einen ist es eine nicht erneuerbare Ressource zum anderen ist die Förderung mitverantwortlich für eine Reihe von Umweltkatastrophen, Ölverschmutzungen, Schäden an Ökosystemen und den Klimawandel.

Rein pflanzliche Wachse

Rein pflanzliche Wachse sind vegan und gesundheitlich unbedenklich. Einige Beispiele von rein pflanzlichen Wachsen sind die flüssigen Wachse wie Japanwachs (auch Beerenwachs genannt), Jojobaöl, oder Rapswachs, Sonnenblumenwachs, Sojawachs, Carnaubawachs, Candelillawachs usw.

Rein pflanzliche Wachse sind allgemein relativ preiswert und weicher als bspw. Paraffin oder Bienenwachs.

Die Nachhaltigkeit von diesen Wachsarten wird durch Anbau, Produktion, Ort und Brenndauer bestimmt. Diejenigen pflanzlichen Wachse, die regional, fair und nachhaltig produziert werden, sind selbstverständlich die beste Alternative. Z.B. Rapswachs ist regional und kann sowohl für die Herstellung der Kerzen, als auch für veganen Wachstücher verwendet werden. Das Rapswachs ist eher weich und nimmt ätherische Öle gut auf.
Im Gegenteil zum Rapswachs ist z.B. das Carnaubawachs nicht regional und stammt aus den Blättern der brasilianischen Carnauba-Palme. Dabei sind nicht nur lange Transportwege und die negativen ökologische Auswirkungen auf dem Amazonas-Regenwald problematisch, sondern laut der ARD-Recherche, ist dieses Wachs in Brasilien meist nicht fair gewonnen. Die Arbeiter dieser Industrie werden oft ausgebeutet und arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen auf den Plantagen (s. ARD-Haribo-Check).

Wachse aus tierischen Fetten

Wachse aus tierischen Fetten sind entweder Wollwachs bzw. Lanolin, Stearinwachs oder Bienenwachs.
Das Wollwachs bzw. Lanolin verursacht, wenn nachhaltig gewonnen, kein Tierleid oder Tiersterben. Lanolin wird beim Waschen der geschorenen Wolle gewonnen. Telweise ist es leider mit Pestiziden belastet, da sich die Pestizide aus der Wolle der Schafe auf das Lanolin übertragen kann. Dieses Wachs ist relativ nachhaltig, aber keine Alternative für Veganer.

Stearinwachs ist ein Gemisch, welches fast immer aus Palmöl (selten aus Kokosnussöl) hergestellt wird und zudem auch tierische Schlachtfette enthalten kann (Zutatenliste beachten). Das Palmöl ist natürlich eine höchst umstrittene Zutat, da dieses in einer nicht nachhaltigen Monokultur angebaut wird, wofür unter umständen sogar Regenwälder gerodet wurden. Dies beeinträchtig die lokale Biodiversität, Ökosysteme, die Bevölkerung und unser Klima.

Das Bienenwachs entsteht als Nebenprodukt beim normalen Arbeitszyklus der Biene. Das Wachs erfüllt für die Bienen jedoch einen wichtigen Zweck: Die Arbeiterinnen bauen mit dem Wachs die Wabenstruktur. Auf diese Weise ist Bienenwachs ein wesentlicher Bestandteil des Lebens der Honigbiene und die Entnahme Wachses stellt somit einen massiven Eingriff dar.

Kann man Bienenwachs nachhaltig gewinnen? Kann Bienenwachs als umweltfreundlich oder nachhaltig eingestuft werden?
Die Antwort lautet ja, aber nur wenn das Bienenwachs so gesammelt wird, dass die Bienen und die Integrität des Bienenstocks dabei geschützt wird. Der Schlüssel zum nachhaltigen Bienenwachs liegt somit bei der Imkerei. Es ist ein respektvoller und gewissenhafter Umgang nötig, um den Honig und das Wachs zu geeigneten Zeiten und Mengen zu ernten. In manchen Fällen, ist die Ernte von Bienenwachs für die Bienen-Kolonien sogar vorteilhaft, weil Bienen gerne frische Waben zum Eierlegen benutzen.

Das Bienenwachs steht somit jedoch nicht endlos zur Verfügung und ist nicht die Lösung für unser aller Verbrauch an Wachs. Oft wird Wachs inzwischen aus aller Welt importiert, was sich nicht positiv auf die CO2-Bilanz des sonst umweltfreundlichen Produktes auswirkt.
Es gibt auch nach der EG-Öko-Verordnung Bio zertifiziertes Wachs, allerdings ist solches Wachs eine Seltenheit.

Welche Kerzen kaufe ich nun am besten?

Für die Verbraucher, die nachhaltig einkaufen möchten, ist es nicht ganz einfach sich zu orientieren. Es hilft sicher, sich an folgenden Punkten zu orientieren:
Das Erdölwachs – Paraffin und Stearinwachs (mit Palmöl) erfüllen keine Nachhaltigkeitskriterien und sind damit keine gute Wahl.
Vegan-Wachs ist nicht immer auch gleich eine nachhaltige Alternative. Es müssen dabei mehrere wichtige Aspekte berücksichtigen: Woher wird das Wachs importiert und damit wie hoch ist der CO2-Fußabdruck? Wie werden die Pflanzen angebaut, geerntet und wie wird das Wachs hergestellt? Welche Auswirkungen hat der Anbau der Pflanze auf das lokale Ökosystem und Tiere/Bestäuber? Ist es ethisch und fair hergestellt? usw.

Daher sollten pflanzliche Wachse biologisch und lokal angebaut sein und Bienenwachs aus lokalen ökologischen Imkerei stammen. Das ist zwar auch die teurere Variante, aber dafür schaden sie nicht der Umwelt und der eigenen Gesundheit. Zudem brennen sie langsamer herunter, da sie qualitativ hochwertig sind.

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Veröffentlicht von

Franzi, Inhaberin von baleco
Franzi, baleco

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